THIS IS JUST A MODERN ROCK SONG #04
LENNART THIEM, Jahrgang 1984, lebt in Hamburg, mag das Internet sehr gerne und noch viel lieber Musik. Beides kommt zusammen, wenn es darum geht, KünstlerInnen, die aus unterschiedlichsten Gründen wenig Aufmerksamkeit bekommen, vorzustellen, was hier unternommen werden soll.
Entschuldigt bitte die aus dem Folgenden resultierende Binsenweisheit, aber da sie in meinem Bekanntenkreis in letzter Zeit des öfteren zu hören war, beschäftigte mich gerade die suggestive Frage: „Ist euch einmal aufgefallen, wie viel gute Musik gerade erscheint?“. Und wenn ich jetzt darüber nachdenke, erinnere ich mich daran, diesen Satz auch benutzt zu haben, weiß im Moment aber gar nicht mehr so recht, was damit gesagt werden sollte. Schließlich sind die Zeiten, in denen Musik einfach so „erscheint“ und wieder verschwindet, vorbei. Mittlerweile würde es mehr Sinn machen, von einem „Auftauchen“ der Stücke und Alben zu sprechen, wir haben ja das Internet, und somit ist Präsenz nicht mehr zwangsläufig an Aktualität gebunden. Soweit also der Ruf aus dem Binsendickicht.
Jedenfalls freue ich mich, dadurch in der Lage zu sein, euch den wunderbaren Elektronik-Hip Hop Hybriden des Projektes „Bike For Three!“, dessen bisher einziges Album „More Heart Than Brains“ im April letzten Jahres durch Anticon herausgebracht wurde, empfehlen zu können, da diese Musik auch ohne unmittelbaren Gegenwartsbezug gut und wichtig ist. Gleiches gilt für The Magic Kids und ihre im Spätsommer 2009 veröffentlichte 7“ „Hey Boy“, auf der einzig durch eine gewisse Lo-Fi Schnoddrigkeit ein Hinweis auf eine mögliche Entstehung in den letzten Jahren gegeben wird, deren Ästhetik ansonsten aber deutlich auf eine Zeit vor ca. 50 Jahren verweist.
Wie sehr sich eine Konzentration auf diese Art von Musik lohnt, zeigen auch Gigi, womit wir bei einem aktuellen Release angelangt wären und damit auch bei der Frage, warum man denn Gruppen benötigt, die Musik machen, die es scheinbar schon einmal gab, einer, wenn man so will, „Binsenfrage“, die erst dann richtig interessant wird, wenn jemand Musik veröffentlicht, die genau so klingt wie etwas, das es erst geben wird.
Ein Beispiel: Ende Februar erscheint ein neues Album des wunderbaren Dreampop-Duos Beach House, bereits jetzt gibt es mit der „The Years“ EP des, ähem, Dreampop-Duos Memoryhouse vier Songs, die zu Teilen das vorwegnehmen, was man von erstgenannten aller Wahrscheinlichkeit nach erwarten darf. Dass die Soundqualität der im Schlafzimmer produzierten Debüt-EP jedoch eine andere ist als bei Beach House, dürfte klar sein, und dennoch finden sich mit dem dunkel getönten Gesang und der Freude an schwebenden, sich langsam verwirbelnden Melodien jeweils zwei Merkmale, anhand derer man, so man mag, gemeinsame Referenzen ausfindig machen könnte, um dann am Ende zu sagen: „Das gab’s doch alles schon einmal“, was aber, nehmt das bitte mit, nicht stimmt. Gute Musik gibt es nicht nur „damals“, „gerade“ oder „schon wieder“, sondern einzig: niemals zu viel.
Bike For Three – All There Is To Say About Love
The Magic Kids – Hey Boy
Gigi – Gigi :: The Old Graveyard (feat. Karl Blau)
Memoryhouse – The Years E.P.
27. Januar 2010 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





