OPAK #02 – THEMA “SCHMUTZ”

schmutz1Wenn die Zähne schmutzig sind, sollten sie geputzt werden – ansonsten fallen sie aus und man kann nur noch Suppe essen. So einfach ist das. Sauberkeit ist anscheinend ein erstrebenswerter Zustand, der immer wieder aufs Neue hergestellt und behauptet werden muss. Gegen seinen klebrigen Zwillingsbruder namens Schmutz. Als gesellschaftliche Kategorien verkörpern beide weit mehr als nur Stoffliches: „Sauber ist schön und gut. Schmutzig ist hässlich und anderswo. Sauber hat recht“, schrieb Christian Enzensberger in seinem Essay „Größerer Versuch über den Schmutz“.

Wo Schmutz sich breit macht, ist das Verlangen nach Ordnung nicht weit. Man denke an die Broken-Windows-Theorie oder etwa die Landowsky-Affäre im Berliner Abgeordnetenhaus: „Wo Müll ist, sind Ratten, und wo Verwahrlosung herrscht, ist Gesindel. Das muss in der Stadt beseitigt werden“.

Aber so sehr sich einige von uns vor Vergänglichkeit, dem Verfaulen und Zerfall fürchten mögen, der Schmutz ist ein notwendiges Element industrialisierter Gesellschaften. Ob das 20. Jahrhundert als Etappensieg einer hygienischen Revolution oder aber als Demokratisierung des Sauberkeitswahns zu bezeichnen ist, darüber können wir nur spekulieren. Sicher ist, dass Schmutz ein facettenreiches Thema ist, über das es sich zu schreiben lohnt.

schmutz2Beispielsweise erklärt Dietmar Dath in unserer zweiten Ausgabe, wie immer mehr Klugheit in immer mehr Elend entsteht, und proklamiert die Aussicht, dass der Zustand der Menschheit trotzdem schön, wahr und gut werden wird.

Thees Uhlmann hat einen Mann getroffen, der oftmals als in mancherlei Hinsicht sehr unappetitliche Verkörperung des Punk wahrgenommen wurde, obwohl er eine tiefe Abneigung gegen Schmutz hat.

Jens Thomas findet nicht nur einen Zusammenhang zwischen Schmutz, Perfektion und Disziplinierung – er appelliert außerdem an den Gerechtigkeitssinn.

Apropos Gerechtigkeitssinn: Petra Engelke wundert sich über eine Mentalität, die in Aufrichtigkeit nur Nestbeschmutzung erkennt.

Was mancherorts immer noch als „Schundliteratur“ bezeichnet wird, hat sich als krisensicheres Phänomen herausgestellt. Ein bisschen hängen wir alle mit drin, und Senta Best erklärt, wieso.

Nils Quak wundert sich über das Interesse am akustischen Dreck unter den Fingernägeln der Popkultur.

Lasse Koch schreibt über Zivilisationskritik im Abbruchhaus. Anti-modernistisch und trotzdem progressiv? Wie geht das denn?

Die neue Ausgabe erscheint am 25. Juni.
Und kein Release ohne Party: Am gleichen Tag sehen wir uns deshalb im Berliner nbi!

Details folgen! Hurra!

Das erste Bild ist von Joachim Zimmermann, das zweite von Sarah Bernhard, bei denen jeweils das Kopierrecht liegt.

TEXT: Redaktion | RESSORT: Heft, OPAK #02
12. Juni 2009 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed



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6 KOMMENTARE


  1. Ach, deswegen habe ich das Heft noch nicht am Kiosk gefunden. Dachte, es erscheint Ende Mai.


  2. Ach, deshalb liegt das Heft noch nicht neben meinem Klo. Dachte, es wäre da schon.


  3. Wie, eine Schmutz-Ausgabe ohne Porno? Na, warten wir erstmal die Fotostrecke ab.


  4. Gestern Abend:
    Zwei junge Frauen gehen auf einen Asia Stand auf einem Strassenfest zu, bleiben davor stehen. Sagt die eine, “Wie Porno ist das denn, die haben ja nur Nudeln!”…


  5. irgendwie ganz schön mühselige texte, fast wie sekundärliteratur. merkt denn keiner außer mir, dass marx als urtext sich nicht mehr anwenden lässt und der begriff raubtierkapitalismus inhaltsleer ist?
    man kann die artikel so abhaken wie einen stichpunktzettel sämtlicher grundgedanken von marx. (ich hab marx übrigens nie gelesen und habe nie studiert)
    tatsächlich ist das alles ganz anders.
    es ist nicht mal das arbeitsamt, die andere zwingt den dreck wegzumachen und diese dienstleistung diskriminiert, sondern es ist eher das selbstverständnis eines einzelnen selbst. die brauchen arbeit, sie sind süchtig danach – die meisten ! es ist weniger ein kapitalistischer druck von oben, als ein erbrechen von innen.
    man muss mal genau hinsehen !
    gruselig sind die hier in leipzig eingesetzen straßenbahnaufpasser, stadtinformierer. die wirken wie spitzel, die auf den befehl von oben warten, auffälliges publikum zu melden. leute, die alles tun würden, wenn ihr herr ruft und mit geld winkt.
    es ist nicht das system, sondern der niederträchtige, geschmeidige charakter und die arbeitswut von ganz bestimmten leuten.
    aber sowas zu schreiben, dazu fehlt es an radikalität. lieber in etwas ganz breites und weites deuten, dann fühlt sich keiner beleidigt.


  6. Hi Desmo, möglicherweise ist es doch das System, das die Menschen zu dem macht, was sie sind, Menschen, die wiederum das System reproduzieren, das sie macht, um es mal auf diesen einfachen, dialektischen Gedanken herunterzubrechen. Die Menschen sind ja nicht von Natur aus so, wie sie sind… Think about it.



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