DIE MÄNTEL DER HAUT –
ÜBER DAS VERHÜLLEN UND ENTHÜLLEN BEI GESA ROSKAMP
In OPAK #01 schreibt Daniel Windheuser über seinen Atelierbesuch bei der Künstlerin Gesa Johanna Roskamp.
Ohne Titel, 2007, Öl auf Leinwand, 108 x 135 cmGesa Roskamp malt keine Porträts, sondern verhüllte Körper, die wiederum nur Platzhalter sind für das, was sich hinter und in ihnen verbirgt. Der uralte Diskurs von Verhüllen und Enthüllen, von Sichtbar und Unsichtbar zeigt sich in einer ganz neuen, anderen Variante. Die Oberflächen, mit denen man es hier scheinbar zu tun hat, verweisen zugleich auf sich selbst und auf das, was sie verhüllen. In einem sehr bewussten Umgang mit dem Formenkanon der Kunstgeschichte, der mal an den entrückten Manierismus Jacopo Pontormos, mal an die stilisierte Ikonografie Tamara de Lempickas erinnert, geht es immer um den Verweis auf das Geheimnis, das sichtbare Unsichtbare, das sich ein- und entfaltet in den Varianten der Bekleidung.
Zumeist sitzen die Schwestern Modell, nicht aus familienmythologischen Gründen, sondern vielmehr, weil der Körper hier nur ein Gerüst ist, über das sich die Hülle des Stoffes legt. Und der natürlich auch selber nur Verhüllung ist, Hülle des Fleisches, in die Seele, Geist, das abstrakt Metaphysische, Ideale, nicht direkt Sichtbare, wie auch immer man es nennen will, eingeschlossen sind. Das Sehen des Dinges an sich durch alle Bekleidung und Verhüllung hindurch in seinen exakten Einzelheiten ist nicht möglich, die nackte Wahrheit kann man niemals sehen.
Die Substanz, das Abstrakte ist immer verhüllt – man kommt nicht näher heran, als darauf zu zeigen, zu verweisen und selbst dann heißt dies auch, dass wir nicht genau wissen, worauf denn da gezeigt wird, was sich verbirgt, im nicht Sichtbaren, wir wissen nur, dass es ein Geheimnis ist. Vielleicht also ist gerade der Verweis auf das nicht Sichtbare, immer Verhüllte die konkreteste Variante einer Enthüllung?
…
Den vollständigen Artikel gibt es hier als schickes PDF (1,7 MB).
Und wem dies nicht genügt, der hat schon bald die Möglichkeit, sich vor Ort von Gesa Johanna Roskamps Werken beeindrucken zu lassen:
Sie wird in Berlin vertreten von der Galerie ZERN und ihre erste Einzelausstellung dort eröffnet am 01. Mai 2009 unter dem Titel “After Dark”.
Kommet in Scharen!
19. April 2009 | Kommentieren | Trackback setzen | Kommentare als Feed





daniel am 20. April 2009
Hihi, nice! Ist das freie PDF das MP3 der schreibenden Zunft? ;)
Marion am 20. April 2009
“Zumeist sitzen die Schwestern Modell, nicht aus familienmythologischen
Gründen, sondern vielmehr, weil der Körper hier nur ein Gerüst
ist, über das sich die Hülle des Stoffes legt.”
Was ist das für eine Begründung?
” Und der
natürlich auch selber nur Verhüllung ist, Hülle des Fleisches,
Wer, der Stoff oder der Körper?
in die Seele, Geist, das abstrakt Metaphysische, Ideale, nicht
direkt Sichtbare, wie auch immer man es nennen will, eingeschlossen
sind.”
tja, da fehlen einem die Worte, trotz aller “gewichtigen” Reihungen.
Das Sehen des Dinges an sich durch alle
Bekleidung und Verhüllung hindurch in seinen exakten Einzelheiten
ist nicht möglich, die nackte Wahrheit kann man
niemals sehen. Die Substanz, das Abstrakte ist immer verhüllt
Opak, oder wie. MannMannMann, Leute, was für “Weisheiten” – der gesamte Artikel – bzw. die zweite Hälfte, die erste ist allerdings auch nicht besser, was soll das in der langweiligen, pseudowichtigen Ausführlichkeit? Euer Elan in Ehren, aber es genügt nicht, “schick” und digital online mit Laptop hoffentlich “Hochanspruchsvolles” zu tippen. Hauptsache, es sieht irgendwie gut aus? Wie soll man es bloß nenne? Ja, Opak, ein guter Titel, völlig undurchsichtig, das – aber deshalb noch lange nicht gut.
Redaktion am 21. April 2009
Liebe Marion, wer wird denn gleich so böse sein?
OPAK ist unser Weg der Äußerung und da soll sehr gerne auch einmal
abgebogen oder ins Detail gegangen werden.
Ein PDF finden wir praktisch. Vor allem für die, die das Heft noch gar
nicht kennen. Und gut aussehen? Au ja! Hochanspruchsvoll? Auch gut.
Wir nennen es OPAK
syptom am 21. April 2009
krisendiagnose ästhetisierung
Die Mäntel der Haut | Paragraphien am 24. Dezember 2011
[...] in: OPAK #1 / 2009 sowie als Begleittext zur Ausstellung After Dark in der Galerie [...]