BERLINER ANTHOLOGIE UNVERLANGT EINGESANDTER FOTOGRAFIEN #1

Wir bedanken uns bei Einsenderin A. Haberecht und trauen uns, eine bedingte Kaufempfehlung auszusprechen.
11. März 2010 | 2 Kommentare

Wir bedanken uns bei Einsenderin A. Haberecht und trauen uns, eine bedingte Kaufempfehlung auszusprechen.
LENNART THIEM, Jahrgang 1984, lebt in Hamburg, mag das Internet sehr gerne und noch viel lieber Musik. Beides kommt zusammen, wenn es darum geht, KünstlerInnen, die aus unterschiedlichsten Gründen wenig Aufmerksamkeit bekommen, vorzustellen. Was hier unternommen werden soll.
Ich möchte keinen Smalltalk mehr halten, ich mag nicht über die Kälte reden, der Schnee soll hübsch auf meinen Kopf fallen, nicht in ihn hinein, dann kann er nämlich rigoros in den Gegend geschüttelt werden, ganz anders als die Floskeln, mit denen man auf Bemerkungen meteorologische Erscheinung betreffend zu antworten hat. „Ja, das ist wirklich schlimm“, so etwas will höflich und nichtssagend geäußert werden, damit man als Erwiderung schreckliche Geschichten über verspätete Busse und rutschige Gehwege zu hören bekommen darf und anschließend durch diesen tiefgründigen Austausch erfrischt an einen vor dreisten Flocken geschützten Arbeitsplatz trottet, wo es niemals Wetter gibt.
Vor dem Fenster aber wirbelt’s lustig und die Gedanken schweifen ab, schließlich wissen wir, dass Schnee etwas Gutes ist, warum sollten ihn sonst die folgenden wunderbaren Bands und Songs im Namen führen?
Hier also eine kleine Auswahl gegen die olle Mittelmäßigkeit, die es keinem Winter gönnt, kalt und verschneit zu sein.
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(Valeot/Cargo) Bei Bochum denken wir ja eher an einen Herrn G., der immerhin die Neu!auflagen (haha!) von Neu! verantwortete und als Label-Macher durchaus sympathische Züge bekam. Wir können aber ab jetzt bei Bochum auch an Milhaven denken, die – nicht nur das unterscheidet sie von G. – zwar von dort kommen mögen, aber irgendwie zumindest musikalisch eher an Chicago oder Montreal hängen: Post Rock, allerdings in der aktuellen Variante, die dann doch etwas schwerer ist als das, was Tortoise sich damals so ausgedacht haben. Aber auch wenn Milhaven gelegentlich in die Nähe von Post-Metal-Revieren geraten, halten sie zu dem dann doch gelegentlich recht heroisch-hymnischen Stil stets ausreichend Abstand. Das ist schön. So schön wie die Verpackung, die sie dieser Musik gegeben haben: Ein dezentes Hardcover in Weiß mit aufgeprägtem Wal in Schwarz, drinnen steckt die CD (links) und ein paar Kärtchen in Ruhr-Tristesse (rechts). Auch ein haptischer Genuss.
Selbstbewusst aufgeklärt
(staatsakt./RTD) Manchmal lohnt es sich zu wissen, wo Musik herkommt. Und damit ist nicht ein Herkunftsland gemeint, auch keine Stadt oder eine ominöse Szene, sondern ein Umfeld, in dem Gedanken sich entwickeln und andere auf Widerstände treffen, die man nicht wegschieben kann. La Stampa benennt ein solches Umfeld diffus. Man bewege sich im „internationalisierten, komisch schwer verortbaren Berliner Kunst-Musik-Milieu“. Aha, mögen manche denken. Aber wer die Musik von La Stampa hört, findet viel davon wieder. Das Internationalisierte, das schwer Verortbare, die Annäherung an den Pop von den Rändern her und meinetwegen auch das Komische.
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(XL Recordings/Beggars/Indigo)
16 Jahre lang hat der Mann geschwiegen, der mehr war als nur ein Sänger, mehr auch als ein Offbeat-Poet, wie man ihn nannte. Gil Scott-Heron war ein Aufbrecher im besten Sinn. Er hat den Rap erfunden, lange bevor man eine Idee hatte, was Sprechgesang eigentlich sein könnte. Er hat der schwarzen Befreiungsbewegung eine Stimme gegeben und ihnen die berühmten Worte mit auf den Weg gegeben: „The revolution will not be televised“. Nun hat er ein neues Werk veröffentlicht, das den schönen Titel “I’m new here” trägt und ihn in einem tatsächlich neuen, nämlich minimal-elektronischen Umfeld zeigt.
Ein schleichendes Gift…
Rechtzeitig zur Tocotronic-Tour ein Auszug unserer vierten Ausgabe.
„Sie machen Opposition, im Zweifel gegen sich selbst. Tocotronic forderten die Lüge, feierten die Kapitulation und verlangen jetzt danach, sich selbst zu zertrümmern. Ein Gespräch über die Krise der Subversion, gebildete Popmusik und Humor.“
Text und Interview von Rasmus Engler und Lasse Koch. Hier geht’s zum pdf.
(Rock Action/Pias/Rough Trade) Die fand ich zwar auf ihrem immerhin ein bisschen witzig benamsten Debüt „Chart Pimp“ okay, aber auch nicht sehr viel mehr. Nun muss ich feststellen, dass entweder mein Geschmack sich gewandelt hat (hat er, aber nicht so sehr in Bezug auf schweren Rock), oder Part Chimp einfach ordentlich zugelegt haben. Ein derart geil dröhnender wie bedröhnter Heavy Rock (kannst auch Stoner dazu sagen) stand damals meiner Erinnerung nach nicht auf dem Programm. Jedenfalls nicht sooo bedröhnt. Zwar kommen sie gar nicht aus der Wüste, können es aber locker mit dem ganzen Zeug aufnehmen, haben ihre Geschichtsstunden zu Black Sabbath, Hawkwind, MC5 und dem, was danach so kam, cum laude absolviert und darauf aufgebaut. Sehr erfreulich!

Der Bandname – eine Art ironische Verfälschung von Apostolic Faith Mission, eines Trachtenvereins aus Brooklyn, wo es die beiden Dänen für eine Weile hin verschlagen hatte. Ihre Musik - eine entfesselte Mischung aus Indietronics, Folk, großen Chören, Postrock und Shoegaze. Heute erscheint ihr neues Album “Let This Be The Last Night We Care” via Pony Rec./Morr/Indigo. Und HIER gibt es einen Gratis Track des neuen Albums zum Download.